Bereich B 1 - Eine Schule für alle entwickeln

Orientierung an ‚demokratischen Schulen’

Dieser Bereich widmet sich der Frage der Zugänglichkeit – im konkreten wie im übertragenen Sinne – , und zwar auf eine Weise, die gleiche Rechte und gleichen Status für alle sichert. So vermeidet sie strukturell provozierte Hierarchien, die negative Stereotypisierungen von Personen und so konstruierten Subgruppen nach sich ziehen würden.

Als eines seiner Kernanliegen schlägt der Index für Inklusion bereits für den Schulentwicklungsprozess selbst eine alle Gruppen einschließende, partizipative, demokratische Vorgehensweise vor (vgl. BOBAN & HINZ 2004). Das konsequenteste Modell von Schule, in dem gleiche Rechte und gleicher Status für alle Beteiligten praktiziert werden, bilden die 70 weltweit existierenden „Demokratischen Schulen“ mit ihrem Grundprinzip: ein Mensch – eine Stimme (vgl. BOBAN & HINZ 2019).

Einige dieser sehr unterschiedlichen Orte selbstbestimmten Lernens sind in einem Überblicksband dokumentiert (vgl. GRIBBLE 2000). Gemeinsam haben sie als Forum gelebter Demokratie die wöchentliche Schulversammlung, in der das Schulleben miteinander ausgehandelt und weiterentwickelt wird. In der Praxis führt dies nicht, wie leicht angenommen werden könnte, zu chaotischen, unstrukturierten Laissez-Faire-Situationen, sondern zu differenzierten, immer wieder veränderten Regelwerken. Auch der Unterricht scheint sich auf den ersten Blick wenig von tradierten Formen üblicher Schulen zu unterscheiden, er basiert allerdings auf dem freien Entschluss einer Gruppe von SchülerInnen, etwas über ein Gebiet oder Thema lernen zu wollen. Weitere strukturelle Merkmale demokratischer Schulen sind der Verzicht auf Notenzeugnisse und formalisierte Abschlüsse, so in Sudbury Valley, USA (vgl. GREENBERG 2004, 2006), sowie die Bedeutung des „pluralistischen Lernens“ in der Eigenverantwortung der SchülerInnen in kleinen Gruppierungen, so in Hadera, Israel (vgl. HECHT 2002, 2011).

Literatur

BOBAN, Ines & HINZ, Andreas (2004): Der Index für Inklusion – ein Katalysator für demokratische Entwicklung in der „Schule für alle“. In: HEINZEL, Friederike & GEILING, Ute (Hrsg.): Demokratische Perspektiven in der Pädagogik. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, 37-48

BOBAN, Ines & HINZ, ANDREAS (2019): Zwischen Normalität und Diversität - Impulse aus der Perspektive Demokratischer Bildung. In: VON STECHOW, Elisabeth, HACKSTEIN, Philipp, MÜLLER, Kirsten, ESEFELD, Marie & KLOCKE, Barbara (Hrsg.): Inklusion im Spannungsfeld con Normalität und Diversität. Band I : Grundfragen der Bildung und Erziehung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 101-113

GREENBERG, Daniel (2004): Endlich frei! Leben und Lernen an der Sudbury-Valley-Schule. Freiamt: Arbor

GREENBERG, Daniel (2006): Ein klarer Blick. Neue Erkenntnisse aus 30 Jahren Sudbury Val¬ley School. Leipzig: tologo
 
GRIBBLE, David (2000): Schule im Aufbruch. Neue Wege des Lernens in der Praxis. Freiamt: Mit Kindern wachsen
 
HECHT, Yaacov (2002): Pluralistic Learning as the Core of Democratic Education. Referat auf der IDEC 2002 in Neuseeland (nicht mehr im Netz zu finden)
 
HECHT, YAACOV (2011): Democratic Education: The Beginning of a Story. Roslyn Heights, NY: AERO